Eine Reflexion zur Reflexion
In der Deutschen Sprache finden sich zu Reflexion drei Bedeutungen:
Zurückgeworfen werden, widerspiegeln von z.B. Wellen oder Strahlen.
oder
Tiefes Nachdenken, Überlegung, prüfende Betrachtung, auch über sich selbst.
oder
Im Kontext des Programmierens liegt eine Reflexion vor, wenn ein Programm seine Struktur analysieren und verändern kann.
Für mich lassen sich diese alle wunderbar verbinden.
Mein Leben, die Menschen denen ich begegne, die Art wie ich sie wahrnehme, sind Reflexionen meines eigenen Bewusstseinszustandes. Und auch eine Reflexion des Grades dessen, was ich an Erfahrung zulasse.
Die “Bilder” die ich sehe, die Töne, Geräusche die ich höre und andere Erscheinungen, die Zeichen die ich darin erkenne und Gedanken die mir kommen, sind die Art, wie mir das Leben zeigt, in welche Richtung ich unterwegs bin, falls ich auf der eingeschlagenen Route bleibe. Heisst: Wenn ich dabei bleibe, zu denken, wie ich denke und damit erschaffe, was ich erschaffe.
Nicht hypothetisch, sondern als gefühlte, gelebte Erfahrung.
Ob ich bewusst reflektiere oder nicht - das Leben wird es sowieso auf mich “zurückwerfen”.
Es reflektiert, wo im Geiste (und wer) ich bin bzw. zuletzt war.
Gewohnheitsmäßiges negatives Denken? Wird mir gespiegelt.
Neue Einsichten realisiert? Wird mir gespiegelt.
Klarheit? Wird mir gespiegelt.
Unentschlossenheit? Wird mir gespiegelt.
Tief geerdet? Wird mir gespiegelt.
Wackelige Überzeugung? Wird mir gespiegelt.
Mir selbst gegenüber und zu meinen wahren Wünschen nein sagen? Wird mir
gespiegelt.
Der Inspiration folgen? Wird mir gespiegelt.
Meine eigene Erfahrung und jene meiner KundInnen zeigen: Wir können leicht vergessen, dass das, was wir sehen, ein Ergebnis ist. Nicht der Ausgangspunkt, nicht der Grund, warum wir uns unsicher fühlen oder weshalb wir niedergeschlagen sind.
Unserer Unentschlossenheit zu begegnen, kann aussehen wie jemand, der über unseren Kopf hinweg für uns Entscheidungen trifft. Eine wackelige Überzeugung wird möglicherweise als unsichere Lebensumstände reflektiert. Gewohnheitsmäßig negatives Denken über sich selbst erscheint vielleicht in Form von kritisierenden, herabsetzenden, uns klein machenden Menschen. Und zu sich selbst und seinen wahren Wünschen gegenüber nein sagen, kann sich als Erschöpfung, Stress oder fehlender Antrieb zeigen.
Es ist hilfreich zu wissen und sich immer wieder bewusst zu machen, dass unser Denken reflektiert wird. Besonders wenn wir uns angewöhnt haben, Umstände und das Verhalten anderer Menschen als Grund dafür zu sehen, wie wir uns fühlen.
Reflexionen sind Information.
Nicht, um uns (wieder einmal) selbst Vorwürfe zu machen, weil wir „es nicht besser gemacht haben“, sondern um sie einfach als nützliche, wertvolle Informationen entgegenzunehmen.
Als Liebesbriefe.
Ob sie sich gut anfühlen oder nicht.
Ein Liebesbrief um zu erkennen: - In welche Richtung bin ich unterwegs?- Zu wem und zu was bin ich ein “Match”?
Müssen wir etwas tun, wenn es sich nicht gut anfühlt?
Wir müssen nicht. Aber wir können.
Der Großteil des “Tuns” ist schon erledigt in dem Moment, wo wir uns erinnern, dass es eine Spiegelung ist. Wenn wir verstehen, dass es nicht gegen uns ist, sondern dass uns das Leben gerade einen Dienst erweist.
Neulich in einem Gespräch registrierte ich das Gefühl der Anspannung, des Unbehagens, der Unstimmigkeit. Ich sah, was geschah, während ich inmitten von etwas war, was man als zumindest aufwühlend bezeichnen könnte.
Ich war präsent zu dem, was ich fühlte, präsent in der Situation und präsent dazu, noch nicht ganz zu sehen, was es zu sehen gab. (Mit Sehen meine ich realisieren, verstehen.)
Still bat ich um Hilfe, um zu erkennen und es wurde mir unmittelbar klar.
Für mein früheres Selbst wäre es an jedem Punkt in dieser Situation sehr leicht gewesen, im Inhalt dessen, was gerade passierte, verloren zu gehen und darauf zu reagieren, wie ich es gewohnt war. Was den Kreislauf am Leben gehalten und womit ich mehr von dem kreiert hätte, was mir bereits gespiegelt wurde.
Immer tiefer zu wissen und zu verstehen, dass ich in dem Moment eine Chance habe, zu erkennen, welche Art Denken immer noch aktiv ist, macht das, was "aussen" passiert, zu einer Gelegenheit. Eine Gelegenheit, präsent zu werden, von ungesundem Denken loszulassen und mich einem besseren Gefühl zuzuwenden.
Ein besseres Gefühl - auch wenn es nur ein klein wenig besser ist - ist IMMER verfügbar - wenn wir uns danach umsehen.
Und damit steigt unser Grad an Bewusstsein, wo sich uns wieder andere Möglichkeiten (und Gedanken) eröffnen.
Das ist der andere Teil des “Tuns”, nach dem Erkennen.
Also: Jede Reflexion ist eine Gelegenheit, eine Einladung und unterstützt dich und mich dabei, entweder weiter zu gehen oder anzuhalten, uns neu zu orientieren und einen Schritt in Richtung “besseres Gefühl” zu machen.
Was ist nun der Unterschied zu einer, sagen wir, gewählten Reflexion?
Über Erkenntnisse zu reflektieren, die uns z.B. ein besseres Verständnis davon vermitteln, wie das Leben funktioniert oder darüber wie wir unsere Erfahrungen kreieren, darüber was für uns wahr ist, bringt unsere Aufmerksamkeit in den Moment dieser Einsicht und hilft uns zu vertiefen, was wir neu erkannt haben. Denn Veränderung geschieht ganz einfach, wenn wir etwas wirklich verstehen.
Sich Zeit und Raum zur Reflexion zu schenken, ist Teil bewussten Seins und des bewussten Erschaffens.
Es hat eine ganz besondere Wirkung, was wir gehört haben und was in uns Resonanz gefunden hat, in Ruhe und Präsenz zu reflektieren.
Wir erlauben uns damit, unser Verständnis auf eine Art zu verankern, die sich anfühlt wie tiefer zu atmen, wenn wir entspannt und offen sind.
Und ganz bestimmt werden wir eine nächste Chance erhalten, hautnah zu erfahren, ob wir das alte Denkmuster losgelassen und wirklich neu verstanden haben, wenn uns das Leben uns wieder etwas "zurückwirft".
Dieses Mal werden wir vielleicht, statt aus der Angst zu re-agieren, von einem Ort des tiefen Wissens antworten. Wir werden, statt die Welt um uns herum oder unser eigenes Verhalten reparieren zu wollen, den Prozess hinter der Kreation, die vor unseren Augen erscheint, verstehen und wissen, wohin wir uns wenden können.