Sich echten Urlaub erlauben
In etwa so begann das Gespräch:
“Sobald sie abgefahren waren, hat das Denken und Sorgen aufgehört.”
“Danach war ich natürlich traurig. Aber irgendwann habe ich mich entschieden, Mittagessen zu machen.”
“Und dann begann ich mich gut zu fühlen. Keine Ahnung, warum.”
Diese Kundin (nennen wir sie Klara) war so erschöpft und müde, erlebte so viele körperliche Symptome, dass sie meistens zu Hause blieb, reihenweise Termine absagte, an Schulevents ihrer Kinder nicht dabei war und sich sehr oft außerstande fühlte, für ihre Familie z.B. Abendessen zu kochen. Nicht in den Urlaub mitzufahren, war für sie einfach eine weitere Konsequenz ihres fehlenden Wohlbefindens.
Darum ihre Überraschung, dass sie sich in den Tagen danach “eigentlich gut fühlte”. Viel besser als in den Wochen zuvor. Obwohl sich in ihrem Leben nichts geändert hat.
Was ist passiert?
Ja, ihre Familie ist ohne sie in die Ferien gefahren.
Naheliegend sich zu denken: Sie hatte jetzt nichts mehr zu tun und konnte sich erholen.
Ihre Besserung stellte sich jedoch nicht nach mehreren Tagen oder gar einer Woche Ausruhen ein, sondern noch am gleichen Tag.
Sich besser zu fühlen, war für sie eine Überraschung.
Klara hatte erwartet, die ganze Zeit traurig zu sein.
Sie dachte zudem, zuhause wäre es einfacher für sie mit “ihren Symptomen” und der Erschöpfung. Sie hatte damit gerechnet, die meiste Zeit mit Fatigue im Bett zu liegen.
Dass sich ihre Stimmung so schnell veränderte, hin zu entspannt, zuversichtlich und offen, dass sie Ideen hatte, was sie tun könnte, ins Cafè ging und sich einfach insgesamt gut fühlte - das erstaunte sie.
Der Zusammenhang wurde erst klar, als ich sie auf ihre eigenen Worte aufmerksam machte:
“Sobald sie abgefahren waren, hat das Denken und Sorgen aufgehört.”
In Klaras Welt macht es total Sinn, viel zu denken und sich zu sorgen. Generell, aber besonders auch wenn man in die Ferien fährt. So sehr, dass sie komplett ausgelaugt war, schon bevor es mit dem Packen ernst wurde. So sehr, dass sie aufgrund der Symptome entschied, sie könne nicht mitfahren.
In unserem Gespräch zeigte sich, dass ihr Denken nicht alleine darauf beschränkt war, was einzupacken oder welche Vorbereitungen zu treffen waren.
Für sie war damit das Wohlbefinden, die Stimmung ihrer Familie verknüpft. Sie fühlte sich verantwortlich dafür, dass alle zufrieden waren. Sollte z.B. irgendjemand verärgert sein, fühlte sie sich dafür verantwortlich und hätte (einmal mehr) ihr Versagen bewiesen.
Es ging also um viel mehr als Packlisten.
Kein Wunder, war sie so erschöpft.
Denn mit Denken verhindern zu wollen, dass jetzt oder IN ZUKUNFT ihre Familie IMMER ZUFRIEDEN war, ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Egal wie sehr wir uns dabei buchstäblich den Kopf zerbrechen.
Nichts kann uns davon abhalten, etwas zu fühlen. Und schon gar nicht können wir andere davon abhalten, etwas zu fühlen. Weder jetzt, noch in Zukunft.
Klara versuchte etwas zu verhindern (bestimmte Gedanken und Gefühle anderer Menschen), worauf sie 0.0 % Einfluss hat.
Als Tüpfelchen auf dem i hat sie sich zusätzlich schlecht gefühlt, weil sie (davon) so erschöpft und müde war und kaum mehr Kraft fand, irgendetwas zu tun.
Aber dann war ihre Familie losgefahren und “das Denken und Sorgen hat aufgehört”.
Das Denken und Sorgen hörte auf, weil sie es sich ab dem Moment erlaubte.
In ihrer persönlichen Welt was es jetzt nicht mehr notwendig.
Sie hörte auf, für etwas Verantwortung zu übernehmen, wofür sie nicht zuständig war. Und sie machte sich selbst keinen Druck mehr in Bezug auf die körperlichen Symptome.
Nicht ihre Familie, die jetzt in Urlaub gefahren war, hat für eine Veränderung in ihrem Befinden gesorgt. Sie selbst hat die Veränderung ermöglicht.
Sobald wir diese Art Denken loslassen, reagiert unser gesamtes System. Sofort!
Sie brauchte keine drei Wochen in der Kur.
Denn die Erholung und Rückkehr zur Balance ist in unserer Natur.
Es geschieht von alleine, sobald wir aufhören, Anspannung durch Denken zu produzieren.
Wie ist die Geschichte ausgegangen?
Bereits am Tag nach unserem Gespräch reiste Klara zu ihrer Familie.
“Ich wollte dieses Erlebnis haben!” war ihre Begründung.
Befreit vom sorgenvollen Denken kamen ihre Lebendigkeit, ihre Neugier, ihr Antrieb und Lebensfreude wieder zum Vorschein. Und was zuvor unmöglich schien, war plötzlich klar und leicht.
Klara hat sich echten Urlaub erlaubt.
Zwei Fragen für dich zur Reflexion:
Wo übernimmst du für die Gefühle und Stimmung anderer die Verantwortung?
Was würde sich für dich verändern, wenn du dir darüber keine Gedanken und Sorgen mehr machen würdest?
Urlaub von stressigem Denken dürfen wir uns alle erlauben.
Hier und jetzt. Für immer.
Wir freuen uns, von dir zu hören!
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