Ein etwas anderer Blog-Beitrag. Nimm dir doch einen ruhigen Moment dafür.


Neulich um 02:00 Uhr

Ich erwache mit einem dumpfen Gefühl.
Nicht nur im Magen. Irgendwie überall.
Als würde ich daraus bestehen.
Nichts ist gut.
Ich befinde mich in einer Falle.
Am Ende. Am Ende meiner Weisheit.

Gestern Abend noch war ich doch wieder etwas optimistischer.
Ein Gefühl der Zuversicht, mit einer Ahnung davon, wie es weitergehen könnte.
Davon scheint nichts mehr übrig.

Vielleicht, wenn ich mich daran erinnere, finde ich es wieder?

Der Versuch scheitert.

Hoffnungslos ratlos.
Und wie begraben.

Oder eingesperrt.
Egal in welche Richtung ich mich wende:
Wände.

Mein Kopf?
Leer.

Jedenfalls wenn ich versuche eine Lösung zu sehen oder zu hören.
Leer und wach.

Keine Lösung, aber schlafen kann ich auch nicht.
Nutzlos. So sieht’s aus.

Ich drehe mich auf die andere Seite.

Dann auf den Rücken.
Schaue mit offenen Augen in die Dunkelheit.

Nichts.
Keine Botschaft. Kein «Mach dies, mach das».
Nur Beklemmung. Verlassenheit.

Ich stehe auf, zieh mir eine Jogginghose und ein Sweatshirt an
und geh’ nach unten in die Küche.
Wasserkocher auffüllen, einen Beutel Kamillentee in die Tasse.
Es ist Punkt zwei Uhr in der Früh.

Für die Uhrzeit fühle ich mich erstaunlich unmüde.

Während ich im Dunkeln warte,
hadere ich mit der Stille.
Warum höre ich nicht so eine klare Ansage
wie zum Beispiel Neal Donald Walsch?

Ich gieße das kochende Wasser in die Tasse.
Während der Tee zieht, drehe ich einige Runden zwischen Küche und Sofaecke.
Wie damals, als ich depressiv war, denke ich.
Ein eingesperrtes Tier.

Den Gedanken will ich gar nicht weiterdenken.

Damit wird’s nicht besser.
Das weiss ich.

Ich nehme die Tasse und setz mich auf das Meditationskissen vor dem großen Fenster.
Es ist gar nicht ganz dunkel draußen.
Die Regenwolken scheinen ein feines Licht zu verbreiten.

Dieser Platz ist mir der Liebste.

Am Horizont zeichnet sich die Silhouette des Waldes gegen den Himmel ab.

Warum höre ich nichts?

Aus dem Nichts vernehme ich das Summen einer Mücke…
Neben meinem linken Ohr.
Ich versuche, sie zu vertreiben, was sie zum Anlass nimmt,
auf die andere Seite zu wechseln.

Ich stehe auf, gehe ins Büro und öffne die Terrassentür.
Vielleicht will der Kater rein?

Nichts bewegt sich.
Stille.
Bis auf das sanfte Tropfen des Regens auf die Blätter.

Es ist erstaunlich mild.
Kein Wind.
Die Luft riecht frisch.

Friedlich.

Nach einer Weile schließe ich die Tür wieder.
Und mache sie nochmal auf, um bewusst einen tiefen Atemzug zu nehmen.

Wach zu sein in der Nacht hat einen besonderen Zauber.

Die Stimme Gottes hören.
Vielleicht würde ich erschrecken?

Oder, vielleicht ist sie gar nicht so außergewöhnlich?
Was, wenn sie mir so vertraut ist, dass ich meine, es sei meine?

Was mache ich jetzt?
Schlafen kann ich eh nicht.

Ich könnte den ausstehenden Newsletter noch schreiben.

Wirklich?
Jetzt?

Warum nicht?

Etwas widerwillig und gleichzeitig entschieden mache ich den Laptop auf.
Ein kurzer Gedanke, ob ich vielleicht lieber von Hand schreiben sollte.

Nein.
Es fällt mir leichter auf der Tastatur.

Das Licht des Bildschirms blitzt auf und blendet mich.
Ich dimme die Helligkeit aufs Minimum.

Die Buchstaben erkenne ich trotzdem nicht.
Ich brauche die Brille.
Und hole sie aus dem Bad.

Ich weiss schon: Was ich vor ein paar Tagen angefangen habe, passt nicht.

Also ein neues Word-Dokument auf.

Ich könnte davon schreiben,
wie ratlos ich bin.
Dass ich mitten in der Nacht aufwache und mich ausgeliefert fühle.
Und die Stimme Gottes nicht höre wie Neal Donald Walsch.
Und keine «Experience» habe wie Sydney Banks.
Und auch nicht weiss, wie es weitergeht.

Ich zünde eine Kerze an.
Damit ich die Tasten sehe.
Das Licht ist schöner als das von der Lampe.

Ich beginne zu tippen.
Und nach einer Weile formt sich aus den Worten Erkenntnis.

Oder umgekehrt.

Gott spricht immer mit mir.

Natürlich.

Wach werden.
Der Impuls, aufzustehen und Tee zu kochen.
Die Terrassentür öffnen.
Die Idee, jetzt zu schreiben.

Regentropfen auf Blättern.
Mückensummen auf die Frage, warum ich nichts höre.
Das ruhige Licht der Kerze.
Kamillentee um halb drei Uhr morgens.

Und mein Gefühl?
Unbestechlicher Zeuge meines Denkens.

Ich denke, ich sei am Ende.
Wie soll sich das anfühlen?
Als wäre ich am Ende. Begraben.

Ich denke, ich hätte versagt, weil XY:
Das fühlt sich für mich an, als müsste ich mich verstecken und verschwinden.

Mein Kopf hat keine Ideen mehr und sagt: "Ich bin ratlos."
Natürlich fühle ich mich ratlos.

Ich blicke gedanklich in die Zukunft und male mir aus, dass die nichts Gutes über mich aussagt: Dann darf ich genau das gerade jetzt schon erfahren, zur Anprobe sozusagen.

Aber Gott hat übernommen.

Ich höre, schreibe, erkenne.

Mein Denken ist irrelevant geworden.
Mein Gefühl wird ruhig. Klar.

Ich mag ratlos sein, wenn ich an meine Zukunft denke.

Macht nichts.
Die Weisheit, die ich tatsächlich brauche, kommt.
Jetzt.
Für genau diesen Moment.
Jedesmal.

Es ist still.

Bis auf den Glockenschlag, der 4 Uhr 30 verkündet.

Vielleicht leg ich mich nochmal eine Weile hin.

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